Die CDU will die Stromsteuer für alle auf das EU-Minimum senken. Finanzieren soll es das Wachstum. Doch was brächte die Senkung den Haushalten, der Wärmepumpe und den öffentlichen Finanzen? Das haben wir in unserem heute erschienenen Papier für sieben EU-Staaten untersucht. In diesem Geldbrief zeigen wir, was daraus für Deutschland folgt.
Praktikabel, aber ungenau
Der CDU geht es um breite Entlastung. Dafür ist die Steuersenkung ein praktikables Instrument: einfach, schnell umsetzbar und flächendeckend.1 Ankommen würde die Senkung bei Haushalten und Dienstleistern, die Industrie ist schon heute weitgehend von der Steuer befreit. Strom würde 2,32 Cent pro Kilowattstunde billiger2 , für einen Familienhaushalt sind das etwa 80 bis 100 Euro im Jahr. Weil Haushalte unabhängig vom Einkommen ähnlich viel für Strom ausgeben, profitieren Geringverdienende relativ am stärksten.
Politisch hat die Senkung doppelten Rückenwind: Sie steht im Koalitionsvertrag und die EU-Kommission will ohnehin, dass Mitgliedsstaaten Strom nicht höher besteuern als Gas. Weil Gas hierzulande gering besteuert wird, läuft beides auf fast dasselbe hinaus.
Allerdings ist die Senkung ungenau und daher teuer. Sie verbilligt jede Kilowattstunde, egal wer sie verbraucht und wofür. Bei einem Familienhaushalt kommen sieben bis acht Euro im Monat an, während dem Staat über fünf Milliarden Euro Steuereinnahmen entgehen.
Teurer Elektrifizierungsanreiz
Für den Umstieg von Gasheizung auf Wärmepumpe zählt vor allem, wie teuer Strom im Verhältnis zu Gas ist. Die Europäische Kommission strebt für Haushalte ein Verhältnis von höchstens 2,5 an, dann rechnet sich die effizientere Wärmepumpe in der Regel. In Deutschland lag das Verhältnis 2025 bei 3,2, heute liegt es wegen teureren Gases darunter. Die Steuersenkung aufs EU-Minimum drückt den Wert auf mindestens 3,0 und schließt damit gut ein Viertel der Lücke (Abbildung 1).
Nur: Wie die Senkung bezahlt werden soll, ist offen. Friedrich Merz setzt auf Wachstum. Wir schätzen, dass der Bund nächstes Jahr dank der besseren Wachstumsaussichten tatsächlich fünf bis sechs Milliarden Euro Mehreinnahmen erzielen könnte. Nutzen kann der Bund davon aber nur etwa die Hälfte, weil das höhere Wachstum den Kreditspielraum senkt, den die Schuldenbremse in schwachen Jahren erlaubt. Und im Haushalt 2027 fehlen ohnehin noch mehr als 20 Milliarden Euro.
Finanziert sich die Senkung selbst?
Auch die Hoffnung, die Stromsteuersenkung refinanziere sich über ihre Effekte selbst, trägt kurzfristig nicht. Der Stromverbrauch reagiert erstmal kaum auf den Preis und über mehr Konsum fließt nur ein kleiner Teil der Entlastung zurück. Wie sich die Senkung insgesamt auf den Haushalt auswirken würde, zeigt Abbildung 2.
Langfristig machen weniger Öl und Gas Wirtschaft, Gesellschaft und Bundeshaushalt robuster gegenüber fossilen Preisschocks – allein die Energiekrise 2022 kostete den Bund über 50 Milliarden Euro – und senken die Folgekosten von Klimaschäden. Ein Finanzierungsplan für 2027 ist das aber nicht.
Hinzu kommt: Mit jeder Wärmepumpe und jedem E-Auto sinken die Einnahmen aus der Energiesteuer, die zuletzt rund 38 Milliarden Euro brachte. Gleichzeitig subventioniert der Bund schon heute die Strompreise, vor allem für die Industrie, mit rund 30 Milliarden Euro.
Gezielt bringt mehr pro Euro
Gezielte Senkungen sind eine gute Alternative. Sie sind günstiger, weil weniger Geld bei denen landet, die es kaum brauchen, oder in den allgemeinen Stromverbrauch fließt. Und sie sind schon heute möglich, das zeigen andere EU-Staaten.
Wer entlasten will, kann gezielt den Grundverbrauch statt jeder Kilowattstunde verbilligen: die Niederlande tun das über einen festen Steuerabzug pro Stromanschluss, Italien über steuerfreie Kilowattstunden im Monat. Das hilft Haushalten mit geringem Verbrauch relativ am meisten und kostet weniger. Für die Elektrifizierung bringt das allerdings wenig: Jede zusätzliche Kilowattstunde wird voll besteuert.
Wer elektrifizieren will, sollte daher den Steuersatz für bestimmte Nutzungen senken. Dänemark hat einen niedrigeren Satz für elektrisch beheizte Haushalte, das erlaubt das EU-Recht schon heute. Die Niederlande hatten einen für Ladestrom, dafür braucht es die einstimmige Zustimmung aller Mitgliedsstaaten, alle sechs Jahre neu. Die Niederlande haben sie zweimal bekommen – erreichbar ist sie also. Das EU-Recht macht sie aber mühsam. Die Bundesregierung sollte sich für Erleichterungen durch eine Reform der EU-Energiesteuerrichtlinie einsetzen.
Und jetzt?
Die breite Senkung ist einfach umzusetzen, aber schwer zu finanzieren. Es braucht einen klaren Blick darauf, was sie leistet: eine überschaubare Entlastung und einen spürbaren, aber teuren Elektrifizierungsanreiz. Gezielte Senkungen bringen mehr pro Euro, für Entlastung wie für Elektrifizierung. Ein Allheilmittel ist die Stromsteuer ohnehin nicht: vor allem braucht es den Ausbau von Netzen und Erneuerbaren und ein flexibleres Stromsystem.